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Leseprobe:
Man(n) kocht!


 

von KNOX
Männerleichte Rezepte, Testprotokolle, erschütternde Erlebnisberichte des Herbert S.
1. Auflage 2002, 100 S. mit 111 farbigen Abb.
24 x 15,5 cm

ISBN 3-933541-16-6

 

 

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Warum kochen Männer eigentlich?

Zu diesem Thema erhalten wir an dieser Stelle aufsehenerregende Einblicke in das Leben eines gewöhnlichen Ehemannes (ehemannus ordinaerius). Die Auszüge aus dem Tagebuch des Herbert S. widerspiegeln den Weg eines Mannes vom wohlbehüteten Haushaltsvorstand in eine aufgezwungene Scheinselbständigkeit am heimischen Herd.

 

 

Aus dem Tagebuch von Herbert S.

19. Februar
Komme nach Hause, kriege von meiner Frau Bine mein Essen vorgesetzt. Bringe berechtigte Kritik an: “Wattisdatten? Binnick’n Karnickel? Statt Salat hättste nochne Wurscht rufftun solln. Und dat schmeckt ja noch nich mal nach ihm geschweige denn nach ihr!” Bine hat sowas schon öfter von mir gehört und scheint nun den Kanal gestrichen voll zu haben. Und zwar gehörig. Mit einem

energischen “HIER!” klatscht sie mir das Besteck auf den Teller und sagt:”Mach’ doch deinen Scheiß alleine, du Überlebenskünstler. Versorg dich selbst. Ich geh zu Renate!” Renate ist ihre Freundin, die auf meine Bine einen unheilvollen Einfluß ausübt, indem sie ihr laufend erzählt, wie fest sie ihren Mann an die Kandarre nimmt. Kurze Leine nannte sie das. Wenn die ihrem Mann

eine lange Leine gäbe, hätte der sich daran bestimmt schon längst aufgebammelt. Da kannste ein’ drauf lassen. So sind die Weiber. Brutal! Zusammen gezuckt. Die Tür ist ins Schloß geknallt. Klang wie ein Pistolenschuß. Wie ein Signal, der eine Wende im bisherigen gemeinsamen Haushalt einläutet. Also,wie nun weiter? Mit langen Zähnen die Fuhre Heu mit dem lächerlich kleinen Hauch von Wurst einschieben? Und darauf warten, dass einem lange Hasenohren und ein Buschelschwanz wachsen? Oder darauf vertrauen, dass man bei Essensverweigerung irgendwann vor Entkräftung dahindämmert und selig für immer entschläft? Oder in einem tapferen Selbstversuch etwas Verzehrbares herstellen?

20. Februar
Konnte mich zu nichts entschließen. Habe schon den 2. Tag zu Hause nichts gegessen. Bine kauft nur soviel ein, wie sie selber isst. Habe heimlich an einer trockenen Brotrinde gelutscht. Eklig. Hätte mir ja auch selber was gekauft, wenn ich nur wüsste, wo! Die Kollegen kann ich nicht fragen. Mache mich ja lächerlich, wenn die hören, dass ich selber einkaufen gehe. Mein Magen knurrt. Bine sagt, bei dem Geräusch kann sie nicht einschlafen. Ich soll aufs Feldbett in den Hobbyraum.

21. Februar
Hatte heute früh eine gute Idee gehabt. Wollte von meinem Kollegen Erwin wissen, wo ein Supermarkt ist. Um keinen Verdacht zu erregen hab ich nach einer Einkaufsquelle für Hundefutter gefragt.
Da hatta gesagt, dass ich ja keinen Hund hätte und ob das Essen meiner Alten schon so schlecht wäre, daß ich auf Hundefraß umsteigen müßte. Also voll daneben, die Aktion. Habe dann bis zum Abend Frauen mit Einkaufstüten verfolgt, um vielleicht zu erfahren, wo  sie Essen oder sowas einkaufen. Ohne Erfolg. Bin total müde.

23. Februar
Bin abgezehrt und entkräftet, aber in meinen Augen lodert fanatischer, trotziger Stolz. Bine muß davon etwas mitbekommen haben. Es klang wie Anerkennung, als sie sagte: ”Nu is ja deine Wampe fast völlig weg. Du solltest Hosenträger oder Gürtel tragen, damit die Hose nicht zu Boden rutscht. Denn garantiert gibt es keine Stelle unterhalb deiner Gürtellinie, an der sie hängen bleiben könnte. Außerdem: Nimm mal wieder was Anständiges zu dir, du riechst aus dem Mund, als hättest du deine Füße gegessen.”
Na prima!

24. Februar
Heute ist Sonnabend. Mein Magen knurrt so laut, dass er meinen Stolz übertönt. Ich gehe nicht in die Kneipe essen. Wenn mich die Leute dort sehen würden, könnten die denken, dass meine Frau nicht kochen kann. Von wegen nicht kann! Nicht kochen will, wäre richtiger gesagt! Bine fragt mich scheinheilig so nebenbei, ob ich wieder am gemeinsamen Essen teilnehmen möchte. Als ob ich

Schuld hätte an der ganzen Misere! Irgendwie hat mich der Teufel geritten, als ich ihr sagte, daß ich heute einkaufen und ein Essen auf den Tisch stellen würde. So eins hätte sie noch nie gegessen. Das befürchte sie auch, meinte Bine. Mir war nicht klar, warum sie das sagte. Habe sie ausgehorcht, wo sie denn immer einkauft und war erstaunt, dass es gleich bei uns um die Ecke ist.

Habe 5 Kilogramm Fleisch gekauft, 1 Sack Kartoffeln und als Gemüse solche grünen Stangen mit so weißlichem Kopf und Fusseln dran. Das Fleisch wird ja wohl für uns beide reichen. Scheint mir aber doch ein bisschen knapp zu sein. Ich frage Bine: ”Na, wie würdest du den das kochen, hä?” Sie sagt: ”Im Bräter anbraten, Fond ablöschen, gar schmoren, servieren!” “Ja duuu!” sage ich. “Warte du mal ab.” Ablöschen!!! Lächerlich! Bin ich bei der Feuerwehr? Also erst mal 1 Liter Öl heiß machen, hab ich in einem Actionfilm gesehen. Nach 3 Stunden hab ich in der lichtlosen, völlig verqualmten Küche versucht, den schwarz verkohlten Fußball mit etwas Wasser zu retten. Die Feuerwehr hat dann die Ölstichflamme gelöscht. Das konnte Bine nicht mit Ablöschen gemeint haben!
Oder doch? Habe Bine ins Restaurant zum Essen eingeladen. Werde ab Montag Urlaub nehmen, um die Küche zu renovieren.

28. Februar
Küche ist fertig, Bine ist wieder versöhnt. Hat mir ein Kochbuch geschenkt. Bevor ich mich einigermaßen von dem Geschenk erholt hatte, sagt sie mir, dass am Wochenende Schwiegereltern kommen. Zum Mittag. Und dass ich kochen soll.
Also, es gibt Tage, da sollte man gar nicht erst aufstehen.
 

 

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12.09.2004

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