BücherStadtinfoGewinnspieleLoseSpielscheineServiceImpressum

 

Grafik, Druck &
Verlag GmbH

 

::Aktuell

Neues Buch von Wolfgang Mahnke

SUPER-ANGEBOTE DRUCKSACHEN

::Links




 

Landkreis Demmin

Peene TV
 

::Info

AGB

Wir über uns

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie sind hier ::Bücher ::Leseprobe

Leseprobe:
kikut 23 - Plattdütsch gistern un hüt


 

mit Beiträgen von Cornelia Nenz und Renate Drefahl

1. Auflage, Mai 2000
64 Seiten m. 15 Abbildungen, 14,5 x 21 cm

ISBN 978-3-933541-06-2

 

Der Tanz als Volksbelustigung

Du sprichst vom Tanzen und untersuchst, ob es ein anständiges und erlaubtes Vergnügen sei; aber der Zirkel, worin dein Richterstuhl steht, ist ein enger Ballraum in der Stadt, worin einige Müßiggänger herumhüpfen und sich von der Eitelkeit spornen lassen wie die Leute, die vier Wochen mit untergeschlagenen Beinen auf einem Tisch gesessen haben, ihre Glieder geradedehnen? Warum folgest du nicht dem Schuster, der einen Monat lang vom frühesten Morgen bis auf den spätesten Abend krumm in einer engen Werkstatt gesessen und jetzt im Freien atmet? Warum gehst du nicht in die Dorfschenke und lernst dich mit Männern freuen, die mit dem Stolze einer wohl und mühsam zustande gebrachten Arbeit sich der Erholung widmen? ... Hier würdest du sehen, wie die harmonische Bewegung des Tanzes den steifen Gliedern Geschmeidigkeit gibt und die Menschenkinder erheitert, die einen Tag und müssen, weil sie kein Bedürfnis, sich zu bewegen, empfinden. Warum gehst du dafür nicht in die Schneiderschenke und siehst,  alle Tage aus einem Joche ins andere gespannt werden. In der Arbeit hatten sie ihren Sklavengang und schienen nur Maschinen zu sein. Aber jetzt spüren sie ihr Dasein und freuen sich dessen ... Das Tanzen ist dem Menschen eine lustige Arbeit, wobei die leere Ruhe wegfällt und wodurch ihm zugleich ein Feld der Ehre eröffnet wird. Hier schwingt der Bauernbursch sein braunes Mädchen öffentlich, und die Alten gehen ab und zu und freuen sich ihrer Kinder ...

So ist der Tanz des Arbeitsamen, eines großen Teil der Menschen ... Je roher der Mensch ist, desto mehr sucht er den Ausdruck der Bewegung. Seine Sprache dünkt ihm zu schwach, sein Auge, wenn er nicht erhitzt ist, zu blöde; er muß springen, wenn er seine Freude selbst fühlen und andern mitteilen will ... Die Nation ist die glücklichste, die viel Freuden auf diese Art auszudrücken hat oder, weo si gedrückt ist, viel Leid vertanzen kann.

Justus Möser, 14.12.1720 Osnabrück - 8.1.1794 ebenda, Rechtsgelehrter, Historiker und Publizist, in: „Patriotische Phantasien“ 1766 - 1792, Ausgabe Reclam jun. Leipzig 1986)


Zurück: Bücher | Seitenanfang

21.07.2004

©Grafik, Druck & Verlag GmbH